Der Verein hat einen Auftrag, den er nach innen und außen trägt

Das Werkhaus ist ein Gegenentwurf zu einer Welt, in der man als Arbeitnehmer mit seiner Tätigkeit immer weniger am Gesamtprozess teilhat und gleichzeitig die Arbeit sich immer mehr verdichtet, mehr Einsatz, Zeit und Engagement gefordert wird. Wir wollen den Mitgliedern und Kurs und Projekt  LeiterInnen die Möglichkeit geben, am Gesamtprozess teilzuhaben. Dabei zu lernen und sich ganzheitlich zu entwickeln. Sie sind beteiligt von der Erhaltung und Gestaltung des Hauses über das Entwickeln ihres Kurses (Info, Werbung, Flyer, Homepage, Verwaltung der Anmeldungen) zur Durchführung der Veranstaltung. Nach außen hin tragen wir unseren Auftrag über den Inhalt der Kurse und Veranstaltungen in unser Viertel. Wir stehen für einen humanistische, kreative Menschen in der Gesellschaft. Human steht für, gegenseitigen Respekt, Unantastbarkeit der Persönlichkeit, Entwicklung und Stärkung der Individualität und Fähigkeiten. Großen Wert legen wir auf die Entwicklung der Kreativität, diese fundamentale Begabung ist in allen Lebensbereichen und Lagen eine große Hilfe. Der Mensch ist ein ganzheitliches Wesen, ohne eine Entwicklung in allen Bereichen kann er seine wahre Bestimmung nicht finden und verwirklichen.

Dies unterscheidet uns fundamental von anderen gemeinnützigen, mildtätigen Vereinen. In diesen geht es meist nur darum Hilfestellung zu geben, Fördergelder zu verteilen. Unser Ansatz ist grundlegender und allumfassender. Die Selbständigkeit und Unabhängigkeit, die wir uns erarbeitet haben und deren Erhalt wir uns stellen müssen ist eine Chance für uns und ein Vorbild für alle anderen Menschen.

Geschichte

Die “WERKHAUS human-kreative Gemeinschaft e.V.” wurde 1979 gegründet.
1982 hat der Verein das Haus an der Leonrodstr. 19 gekauft und damit vor dem Abbruch gerettet. In den Jahren danach haben Vereins-Aktive viel Zeit und Kraft investiert, um das Haus mit seiner Nutzfläche von 800 qm zu sanieren.

Aufzeichnung des Flickschneiders Daniel:

Der Konkurs einer Druckerei in der Leonrodstraße 19 mit Verwaltungsgebäude und rückwärtig gelegener Werkhalle hatte zur Folge, dass das Anwesen 1976 in das Eigentum der Bayerischen Landesbank überging.

Da zu dieser Zeit noch keine Verwertungszwecke festgelegt waren, stand das Haus leer. Der ehemalige Geschäftsführer der Druckerei konnte daher mit der Bank eine Zwischennutzung vereinbaren und schloss Untermietverträge für die vier Etagen des 800qm umfassenden Haupthauses als Atelierflächen für Kunst- und Kleinhandwerker ab. Mit dem Einzug eines Flickschneiders, einer Porzellanmalerei, einer Töpferei, Weberei und Buchbinderei sowie einer Druckerei und Schreinerei entwickelte sich eine Ansammlung von Gewerken, die mit ihrem Angebot das Haus belebten und auch über die Durchführung von Kursen weiteres Publikum anzogen. Bis 1978 enstanden zudem der Naturkostladen ,,Tantra”, eine biologische Vollkorn­-Bäckerei, eine Teestube und eine Lebensmittel-Cooperative. Das Nichtrauchercafé “Wildwuchs” mit Gartennutzung im hinteren Gebäudetrakt befand sich in Planung.

Das war ganz im Sinne des Initiators, dem von Anfang an die offene Entwicklung der Hausnutzer zu einer “ehrlichen, humanen, von gesellschaftlichen Zwängen möglichst unabhängigen, stabilen Gemeinschaft” vorschwebte, “die uns erlaubt, in den Gruppen persönliche und gemeinsame Möglichkeiten zu entwickeln und zu verwirklichen. […] Unser Weg ist die Verbesserung menschlicher Beziehungen, handwerkliches Lernen zur eigenen Herstellung und Instandsetzung unserer Gebrauchsgüter, die Stärkung der eigenen Persönlichkeit zur Selbstverantwortung und individuellen Freiheit sowie die Erhaltung unserer Erde nach einer natürlichen Lebensweise.”

Ende 1978 lief der mir der Bank abgeschlossene Mietvertrag ab. Diese wollte das Haus zum Kauf anbieten und abreißen lassen. Um die Kaufoption wahrnehmen zu können, wurde Anfang 1979 der eingetragene Verein “Werkhaus. Human-kreative Gemeinschaft” gegründet, dessen zirka 60 Mitglieder mit verschiedenen Modellen einer finanziellen Unterstützung des Hauserwerbs warben (Mitgliedschaften, Miete, Spenden, Bürgschaften, zinslose Darlehen). 1980 zog die Bank das Verkaufsangebot zurück und beabsichtigte, das Grundstück zusammen mit einem benachbarten Areal neu zu bebauen und somit alle dort befindlichen Gebäude abzureißen. 1981 favorisierte sie den Verkauf beider Liegenschaften an einen meistbietenden Käufer.

Das selbstverwaltete Bürgerhaus mit den Arbeitsschwerpunkten Gesundheit – Ernährung – Umweltbewußtsein – Kreativität – Kultur – Musik und einem eigenen Kindergarten erhielt im Frühjahr 1982 einen günstigen Kredit von der Stadtsparkasse München und mit 20% Eigenmittel den Zuschlag. Hintergrund dieses sicher nicht höchsten Aufgebotes war die Vermittlung durch Oberbürgermeister Erich Kiesel (CSU), der in der Beteiligung der Stadtsparkasse ein von ihm, im Wahlkampf abgegebene Versprechen, zu einem Bürgerzentrum für Neuhausen, einlösen konnte.

Ökologie


Dem großen Engagement der Mitglieder und vor allem der unermüdlichen Arbeit des Vorstandsvorsitzenden Christian Roßmeißl (2vR) ist es zu verdanken, dass wir mit der Anschaffung unseres Block-Kraft–Heizwerks „Rosi“ einen Teil unseres energie- und umweltfreundlichen Konzepts umsetzen konnten. Benannt nach unser größten Einzelspenderin Rosi (Mitte)
Schon 1980 hatte die Handwerkskooperative um Franz Knoll (1vR) eine Sonnenkollektoranlage installiert, die das Haus mit warmen Wasser versorgte. Eine Erneuerung der Anlage war nicht sinnvoll, so dass wir uns 2008, für das Blockheizkraftwerk entschieden haben. Mit einem Nutzungsgrad von 95% versorgt es das Haus mit Wärme und Strom. Im Winter können wir die Überschüsse verkaufen. Die Strom und Heizkosten konnten um 50% gesenkt werden.